Apphemeride

Koordinaten & Zeit

Refraktion und Kimmtiefe: Warum die Sonne früher aufgeht, als sie sollte

Kurz erklärt

Die Atmosphäre bricht das Licht und hebt Himmelskörper scheinbar an, am Horizont um rund 34 Bogenminuten. Deshalb siehst du die Sonne, obwohl sie geometrisch noch darunter steht. Stehst du erhöht, liegt dein sichtbarer Horizont zusätzlich tiefer: die Kimmtiefe. Mit deiner Beobachterhöhe berücksichtigt Apphemeride beides in den Auf- und Untergangszeiten.

Atmosphärische Refraktion: Licht auf gekrümmtem Weg

Licht wird abgelenkt, wenn es von einem Medium in ein dichteres übergeht. Die Erdatmosphäre wird nach unten hin immer dichter, und so folgt Licht aus dem All keinem geraden Weg, sondern einer leicht gekrümmten Bahn zum Boden. Dein Auge verlängert den letzten Abschnitt geradlinig – und sieht das Objekt deshalb höher, als es tatsächlich steht.

Der Effekt hängt stark von der Höhe ab:

scheinbare HöheRefraktion (Standardatmosphäre)
90° (Zenit)0
45°etwa 1′
10°etwa 5′
0° (Horizont)etwa 34′

Im Zenit verschwindet die Refraktion, am Horizont wird sie sehr groß – und ändert sich dort auf wenigen Grad schnell. Darum wirkt die auf- oder untergehende Sonne abgeflacht: Ihr unterer Rand wird stärker angehoben als der obere.

Die Werte gelten für eine Standardatmosphäre mit etwa 10 °C und 1.010 hPa. Bei Kälte und hohem Luftdruck ist die Refraktion etwas größer, bei Wärme und niedrigem Druck kleiner. Ungewöhnliche Temperaturschichtungen, etwa über kaltem Wasser, können sie stark verändern; dann entstehen Luftspiegelungen und verformte Sonnenscheiben.

Was das für Sonnenaufgang und -untergang bedeutet

Als Sonnenaufgang gilt der Moment, in dem der obere Sonnenrand den Horizont berührt. Die Sonne hat einen Radius von rund 16′. Zusammen mit den 34′ Refraktion steht der Mittelpunkt der Sonne beim offiziellen Aufgang also etwa 50′ unter dem geometrischen Horizont. Ohne Atmosphäre würde die Sonne erst merklich später aufgehen und früher untergehen. In mittleren Breiten verlängert die Refraktion den Tag damit um mehrere Minuten, in hohen Breiten, wo die Sonne flach aufsteigt, noch deutlich mehr.

Auch für Sterne und Planeten gilt: Sie werden über den Horizont gehoben, bevor sie geometrisch aufgehen. Beim Mond kommen weitere Einflüsse hinzu, weil er nah genug ist, dass auch die Parallaxe zählt.

Kimmtiefe: Wenn dein Horizont tiefer liegt

Der Begriff Kimm stammt aus der Seefahrt und bezeichnet die sichtbare Grenze zwischen Meer und Himmel. Stehst du auf Meereshöhe, liegt diese Linie praktisch auf dem mathematischen Horizont. Stehst du höher – auf einem Berg, einem Turm oder einem Schiffsdeck – blickst du über die Erdkrümmung hinweg, und die Kimm sinkt unter die waagrechte Linie. Dieser Winkel heißt **Kimmtiefe**.

Die Kimmtiefe wächst mit deiner Höhe, aber nicht im gleichen Maß: Die ersten Meter bringen viel, jeder weitere Meter etwas weniger. Auch hier spielt die Refraktion mit, denn das Licht vom fernen Horizont läuft flach durch die dichte bodennahe Luft und wird dabei leicht angehoben – die Kimm erscheint dadurch etwas höher, als die reine Geometrie erwarten ließe.

Zur Einordnung der Größenordnungen:

  • Auf einem Deich wenige Meter über dem Meer beträgt die Kimmtiefe nur einige Bogenminuten.
  • Auf einem Aussichtsturm von 100 m Höhe liegt dein Horizont um mehr als einen halben Sonnendurchmesser tiefer.
  • Von einem Gipfel, der weit über einer flachen Ebene aufragt, sinkt die Kimm um mehr als ein Grad. Die Sonne geht für dich früher auf und später unter als für jemanden am Fuß des Turms. Je nach Breite und Jahreszeit sind das schon bei 100 m eine bis mehrere Minuten.

Wichtig: Die Kimmtiefe setzt voraus, dass du über eine freie, tiefer liegende Fläche bis zum Horizont blickst, etwa über das Meer oder eine weite Ebene. In einem Tal oder vor einer Bergkette ist dein tatsächlicher Horizont höher als der mathematische, und Aufgänge verspäten sich.

Wenn Sekunden zählen

Für die meisten Beobachtungen reichen Standardwerte. Wer aber Sonnenaufgänge fotografisch plant, eine Sternbedeckung zeitlich genau erfassen oder von einem Berggipfel aus beobachten will, merkt: Refraktion und Kimmtiefe verschieben Zeiten in einer Größenordnung, die man nicht ignorieren kann. Eine präzise Berechnung muss deshalb Refraktion, Sonnenradius und Beobachterhöhe zusammen betrachten.

So beantwortet es Apphemeride

So beantwortet es Apphemeride

Die Karte Korrekturen auf jeder Objektseite zeigt, wie stark die atmosphärische Refraktion die Position gerade verschiebt, zusammen mit Nutation, Aberration, Präzession und FK5. Mit der Beobachterhöhe berücksichtigt die App die Kimmtiefe für deinen Standort, sodass die Zeiten in der Karte Aufgang / Kulmination / Untergang zu deinem tatsächlichen Blickpunkt passen – etwa auf einem Turm oder Gipfel. Aufgang, Untergang und Kulmination werden per Newton-Raphson-Verfeinerung auf den genauen Moment eingegrenzt. Für Sonne und Mond sind die Datenkarten mit Auf- und Untergang kostenlos, ebenso der Standort per GPS. Die manuelle Eingabe der Beobachterhöhe, Adresssuche und Koordinaten gehören zur Vollversion, die du nach einer 3-tägigen Testphase freischaltest. Mehr zu Standort und Beobachterhöhe.

Karte Korrekturen in Apphemeride mit dem aktuellen Wert der atmosphärischen Refraktion für ein Objekt
Die Karte Korrekturen zeigt den Beitrag der Refraktion zur Position am Himmel.

Häufige Fragen

Wie groß ist die Refraktion am Horizont?

In einer Standardatmosphäre beträgt die Refraktion am Horizont rund 34 Bogenminuten, also mehr als der Durchmesser von Sonne oder Mond. Ein Objekt, das du gerade am Horizont siehst, steht geometrisch also schon über einen halben Grad darunter. Bei Kälte und hohem Luftdruck ist der Wert etwas größer, bei Wärme kleiner.

Was ist die Kimmtiefe?

Die Kimmtiefe ist der Winkel, um den der sichtbare Horizont unter dem mathematischen Horizont liegt, wenn du erhöht stehst. Sie wächst mit der Höhe, anfangs schnell, dann langsamer; auf einem 100 m hohen Turm beträgt sie schon mehr als einen halben Sonnendurchmesser. Der Begriff stammt aus der Seefahrt, wo die Kimm die Linie zwischen Meer und Himmel ist. Apphemeride berücksichtigt sie über die Beobachterhöhe.

Geht die Sonne auf einem Berg früher auf?

Ja, wenn du von dort über eine tiefer liegende Ebene oder das Meer bis zum Horizont blickst. Dein Horizont liegt dann um die Kimmtiefe tiefer, und die Sonne erscheint früher und geht später unter. Schon in 100 m Höhe macht das je nach Breite und Jahreszeit eine bis mehrere Minuten aus.

Warum sieht die Sonne am Horizont abgeflacht aus?

Weil die Refraktion nahe dem Horizont schnell mit der Höhe zunimmt. Der untere Sonnenrand steht tiefer und wird stärker angehoben als der obere. Dadurch wird die Scheibe senkrecht zusammengedrückt und wirkt oval. Bei besonderen Temperaturschichtungen kann sie sogar stufig oder verformt erscheinen.

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Kostenlos laden – Sonne und Mond sind dauerhaft frei. Alles Weitere schaltest du mit der Vollversion frei, nach einer 3-tägigen Testphase.

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