Sonne & Tageslicht
Wann geht die Sonne auf und unter? Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erklärt
Kurz erklärt
Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind die Momente, in denen der obere Sonnenrand den mathematischen Horizont berührt. Weil die Luft das Licht anhebt, siehst du die Sonne schon, bevor sie geometrisch aufgegangen ist. Wann das passiert, hängt von Breite, Länge, Datum und Zeitzone ab. Die genauen Zeiten samt Himmelsrichtung für deinen Standort zeigt dir Apphemeride kostenlos.
Was „Sonnenaufgang“ genau bedeutet
Im Alltag ist der Sonnenaufgang der Augenblick, in dem die Sonne über den Horizont blitzt. Für eine Berechnung braucht es eine präzisere Festlegung, und die Astronomie hat sich auf eine geeinigt: Auf- und Untergang beziehen sich auf den oberen Rand der Sonnenscheibe, der den mathematischen Horizont berührt – also eine ideale, ebene Linie auf Augenhöhe, ohne Berge, Häuser oder Bäume.
Zwei Effekte verschieben diesen Moment. Erstens hat die Sonnenscheibe einen scheinbaren Radius von rund 16′ (Bogenminuten). Wenn ihr oberer Rand am Horizont steht, ist ihr Mittelpunkt schon 16′ darunter. Zweitens bricht die Erdatmosphäre das Licht. Am Horizont hebt diese **Refraktion** jeden Himmelskörper um etwa 34′ an – mehr als einen ganzen Sonnendurchmesser. Du siehst die Sonne also schon, wenn sie geometrisch noch vollständig unter dem Horizont steht.
Zusammen ergibt das den Standardwert: Der Sonnenmittelpunkt steht beim Auf- und Untergang bei −0,833° Höhe. Diesen Wert verwenden nautische Jahrbücher, Wetterdienste und astronomische Rechenprogramme gleichermaßen.
Wovon die Uhrzeit abhängt
Vier Größen bestimmen, wann die Sonne an deinem Ort auf- und untergeht:
- Geografische Breite: Sie legt fest, wie schräg die Sonne ihre Tagesbahn zieht und wie lang der Tagbogen ist. Je weiter du dich vom Äquator entfernst, desto stärker schwanken die Zeiten im Jahreslauf.
- Datum: Über die Deklination der Sonne – ihren Winkelabstand vom Himmelsäquator – wandert der Tagbogen zwischen etwa +23,4° um den 21. Juni und −23,4° um den 21. Dezember.
- Geografische Länge: Innerhalb einer Zeitzone geht die Sonne im Osten früher auf als im Westen. Jedes Grad Längenunterschied verschiebt die Zeiten um 4 Minuten. Zwischen Görlitz und Aachen sind das gut 30 Minuten.
- Zeitzone und Sommerzeit: Sie verschieben die Uhrzeit, nicht das Himmelsgeschehen.
Hinzu kommt die Zeitgleichung: Die Sonne erreicht ihren Höchststand nicht jeden Tag um dieselbe Uhrzeit, sondern schwankt im Jahreslauf um bis zu etwa eine Viertelstunde. Deshalb liegen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht symmetrisch um 12 Uhr.
Der Tagbogen: warum Breite und Jahreszeit die Zeiten verschieben
Die Sonne zieht jeden Tag einen Bogen über den Himmel, der parallel zum Himmelsäquator verläuft. Der Horizont schneidet diesen Kreis in zwei Teile: den Tagbogen über und den Nachtbogen unter dem Horizont. Auf- und Untergang sind die beiden Schnittpunkte, und sie liegen symmetrisch um den wahren Mittag, an dem die Sonne genau im Süden steht.
Wie groß der Tagbogen ist, entscheiden zwei Dinge. Die Deklination der Sonne verschiebt ihren Tageskreis im Sommer nach Norden und im Winter nach Süden – auf der Nordhalbkugel liegt im Juni deshalb der größere Teil des Kreises über dem Horizont, im Dezember der kleinere. Die geografische Breite bestimmt, wie schräg der Horizont den Kreis schneidet. Am Äquator teilt er ihn das ganze Jahr fast gleich, und die Tage bleiben nahe zwölf Stunden. Je weiter du nach Norden oder Süden gehst, desto stärker wirkt sich die Jahreszeit aus. In Mitteleuropa liegen zwischen dem längsten und dem kürzesten Tag rund acht Stunden; jenseits des Polarkreises liegt der Tageskreis zeitweise ganz über oder ganz unter dem Horizont.
Weil sich die Deklination der Sonne auch im Lauf eines einzigen Tages ein wenig ändert, gibt es keine Abkürzung zum exakten Moment. Präzise Programme nähern sich ihm deshalb schrittweise an, bis die Sonnenhöhe den Standardwert genau erreicht.
Warum die Tabelle nicht immer mit deinem Blick übereinstimmt
Selbst eine perfekt berechnete Zeit kann vom Erlebnis abweichen – aus guten Gründen:
- Refraktion ist variabel. Die 34′ sind ein Mittelwert. Bei kalter, dichter Luft über Wasser oder Schnee kann die Hebung deutlich größer sein, bei warmer Luft kleiner. Das verschiebt Auf- und Untergang um bis zu einige Minuten, in hohen Breiten noch stärker.
- Der echte Horizont ist selten frei. Berge, Häuser und Wald lassen die Sonne später erscheinen und früher verschwinden. Am Meer ist der Horizont dagegen oft tiefer als die mathematische Linie.
- Die Beobachterhöhe zählt. Von einem Turm, Berg oder Flugzeug aus liegt der sichtbare Horizont unter der Augenhöhe. Diese **Kimmtiefe** wächst mit der Höhe deines Standpunkts: Schon von einem rund 100 m hohen Aussichtspunkt siehst du die Sonne etwa eine Minute früher aufgehen und später untergehen.
Praktische Tipps für deine Beobachtung
Der Sonnenaufgang ist nicht der hellste Moment des Morgens, sondern das Ende der bürgerlichen Dämmerung. Planst du ein Foto, plane die Zeit davor und danach mit ein. Der Ort am Horizont verändert sich ebenfalls: Bei 50° Breite geht die Sonne im Juni im Nordosten auf (Azimut um 50°), im Dezember im Südosten (um 128°), an den Tagundnachtgleichen fast genau im Osten.
Kurios, aber gut belegt: In Mitteleuropa geht die Sonne nicht am kürzesten Tag am frühesten unter, sondern schon um den 12. Dezember. Den spätesten Sonnenaufgang erlebst du erst um den Jahreswechsel. Der Grund ist die Zeitgleichung, die den wahren Mittag in diesen Wochen täglich um rund eine halbe Minute nach hinten schiebt.
Und ganz wichtig: Schau nie ungeschützt in die Sonne, auch nicht kurz nach dem Aufgang, wenn sie gedämpft wirkt – und niemals durch Fernglas oder Kamerasucher.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Die Frage „Wann geht die Sonne heute auf und unter?“ beantwortet Apphemeride mit einem Blick: Wähle die Sonne aus. Auf ihrer Objektseite zeigt die Karte „Aufgang / Kulmination / Untergang“ die drei Zeiten zusammen mit den Azimuten – also auch, in welcher Richtung die Sonne über den Horizont kommt und wann sie am höchsten steht. Die Zeiten werden nach den Algorithmen von Jean Meeus berechnet und per Newton-Raphson-Verfeinerung auf den genauen Moment eingegrenzt. Die Karte „Horizontverlauf“ zeigt den Höhenverlauf über den Tag, die Karte „Lichtverhältnisse“ die Dämmerungsphasen davor und danach. Wer die Zeiten ständig im Blick haben will, legt sich die Infokacheln Aufgang, Untergang und Kulmination an. Sonne und Mond sind dauerhaft kostenlos, einschließlich Aufgang, Kulmination und Untergang für deinen GPS-Standort. Andere Daten per Zeitreise, einen manuell gewählten Ort und die Beobachterhöhe, die die Kimmtiefe berücksichtigt, schaltest du mit der Vollversion frei. Mehr dazu auf der Seite Objektseiten in Apphemeride.
Häufige Fragen
Wann geht die Sonne heute unter?
Das hängt von deinem Ort ab. In Deutschland liegt der Sonnenuntergang je nach Jahreszeit und Region zwischen rund 16 Uhr MEZ im Dezember und rund 22 Uhr MESZ im Juni. Innerhalb Deutschlands verschiebt die geografische Länge die Zeit um bis zu rund eine halbe Stunde, die Breite verändert vor allem die Spannweite über das Jahr. Die genaue Uhrzeit für deine Koordinaten zeigt dir Apphemeride auf der Objektseite der Sonne.
Warum ist der Sonnenaufgang nicht genau 12 Stunden vor dem Sonnenuntergang?
Der Abstand zwischen Auf- und Untergang ist die Tageslänge, und die ist nur ungefähr an den Tagundnachtgleichen 12 Stunden. Selbst dann ist sie etwas länger, weil Refraktion und Sonnenradius den Tag morgens und abends um je einige Minuten verlängern. Außerdem liegt die Mitte zwischen beiden Zeiten nicht bei 12 Uhr, sondern beim wahren Mittag, der von deiner Länge und der Zeitgleichung abhängt.
Was ist der Unterschied zwischen Sonnenaufgang und Morgendämmerung?
Die Morgendämmerung ist die Phase vor dem Sonnenaufgang, in der die Sonne noch unter dem Horizont steht, der Himmel aber bereits aufhellt. Sie beginnt astronomisch, wenn die Sonne −18° erreicht, und endet mit dem Sonnenaufgang. Die bürgerliche Dämmerung, ab −6°, ist bereits hell genug für die meisten Tätigkeiten im Freien.
Warum geht die Sonne im Dezember nicht am kürzesten Tag am frühesten unter?
Um die Wintersonnenwende verschiebt die Zeitgleichung den wahren Mittag jeden Tag um rund eine halbe Minute nach hinten. Der Tagbogen ändert sich dagegen kaum. Deshalb wandern Auf- und Untergang gemeinsam später. In Mitteleuropa liegt der früheste Sonnenuntergang um den 12. Dezember, der späteste Sonnenaufgang um den Jahreswechsel.
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