Sonne & Tageslicht
Sonnenstand: Azimut und Höhe der Sonne verstehen
Kurz erklärt
Der Sonnenstand wird mit zwei Winkeln beschrieben: Das Azimut ist die Himmelsrichtung, gezählt von Norden über Osten und Süden nach Westen, die Höhe der Winkel über dem Horizont. Beide ändern sich mit der Erddrehung im Tageslauf und mit der Jahreszeit. Höhe und Richtung der Sonne für deinen Standort zeigt dir Apphemeride im Tagesverlauf.
Zwei Winkel beschreiben jeden Punkt am Himmel
Um die Lage der Sonne festzuhalten, nutzt die Astronomie das Horizontsystem. Es ist das System, das du ohne Hilfsmittel erlebst: eine Kuppel über dir mit dem Horizont als Grundkreis und dem **Zenit** senkrecht darüber.
- **Azimut (A)**: der Winkel entlang des Horizonts. Nach der heute üblichen Konvention zählt er ab Norden im Uhrzeigersinn: Nord 0°, Ost 90°, Süd 180°, West 270°. Ältere Literatur zählt teils ab Süden – prüfe bei Tabellen also immer den Nullpunkt.
- **Höhe (h): der Winkel zwischen Horizont und Sonne, von 0° am Horizont bis 90° im Zenit. Negative Werte bedeuten, dass die Sonne unter dem Horizont steht. Manchmal wird stattdessen die Zenitdistanz** angegeben, also 90° − h.
Beide Werte sind ortsgebunden. Dieselbe Sonne steht im selben Moment in Hamburg anders am Himmel als in Lissabon.
Wie sich der Sonnenstand über den Tag ändert
Durch die Drehung der Erde wandert die Sonne scheinbar auf einem Kreisbogen über den Himmel, 15° pro Stunde entlang des Himmelsäquators. Auf der Nordhalbkugel steigt sie im Osten, erreicht ihren Höchststand – die **Kulmination** – genau im Süden bei Azimut 180° und sinkt im Westen.
Die Kulmination findet zum wahren Mittag statt, nicht um 12 Uhr. In Deutschland liegt sie je nach Ort und Jahreszeit zwischen etwa 11:45 und 12:50 Uhr MEZ, in der Sommerzeit eine Stunde später. Gründe sind die geografische Länge innerhalb der Zeitzone und die Zeitgleichung.
Wie hoch die Sonne mittags steigt, hängt an zwei Dingen. Je weiter du vom Äquator entfernt bist, desto tiefer bleibt sie – deine geografische Breite legt die Grundhöhe fest. Darauf setzt die Jahreszeit auf: Im Sommer steht die Sonne mittags um bis zu rund 23,4° höher als an den Tagundnachtgleichen, im Winter um ebenso viel tiefer. Zwischen Sommer- und Wintersonnenwende liegen an jedem Ort außerhalb der Tropen damit knapp 47° Unterschied in der Mittagshöhe. In Mitteleuropa reicht das von gut 60° im Juni bis unter 20° im Dezember.
Wie sich der Sonnenstand über das Jahr ändert
Weil die Erdachse um 23,4° gegen die Bahnebene geneigt ist, wandert die Deklination der Sonne im Jahreslauf zwischen +23,4° und −23,4°. Das verändert nicht nur die Mittagshöhe, sondern auch die Richtungen von Auf- und Untergang.
Bei 50° Breite geht die Sonne um die Sommersonnenwende bei einem Azimut von rund 50° auf, also im Nordosten, und bei rund 310° im Nordwesten unter. Sie beschreibt einen weiten Bogen, der hinter dir im Norden beginnt und endet. Im Dezember liegen Auf- und Untergang bei etwa 128° und 232°, der Bogen ist kurz und flach. An den Tagundnachtgleichen geht sie nahezu genau im Osten auf und im Westen unter.
Wie weit Auf- und Untergangspunkt im Jahreslauf am Horizont entlangwandern, hängt ebenfalls von der Breite ab: Je weiter nördlich du bist, desto größer wird die Spanne, bis die Sonne jenseits des Polarkreises im Sommer gar nicht mehr untergeht. Die Refraktion schiebt den sichtbaren Aufgang zusätzlich ein kleines Stück nach Norden, weil sie die Sonne früher über die Horizontlinie hebt.
Praktische Anwendungen: Schatten, Solar, Garten, Fotografie
Schattenlänge. Je tiefer die Sonne steht, desto länger wird der Schatten. Bei 45° Sonnenhöhe ist er genau so lang, wie der Gegenstand hoch ist; darunter wächst er rasch und wird nahe dem Horizont sehr lang. In Mitteleuropa sind Mittagsschatten im Dezember deshalb ein Vielfaches länger als im Juni. Wer wissen will, ob ein Beet im Winter Sonne bekommt oder ein Nachbarhaus die Terrasse verschattet, braucht vor allem die Sonnenhöhe zur fraglichen Uhrzeit – und die Richtung, aus der die Sonne dann scheint.
Solaranlagen. Ertrag und Ausrichtung hängen direkt vom Sonnenstand ab. In Mitteleuropa gilt eine Südausrichtung mit 30° bis 40° Neigung als gute Basis für den Jahresertrag; Ost-West-Anlagen verteilen den Ertrag gleichmäßiger über den Tag.
Fotografie und Architektur. Wann fällt Licht durch ein bestimmtes Fenster, wann steht die Sonne genau über einer Straßenflucht oder hinter einem Kirchturm? Solche Fragen beantwortest du, indem du Azimut und Höhe der Sonne mit der Richtung zu deinem Motiv vergleichst. Ein Kompass reicht für die Richtung, für die Höhe hilft die Faustregel: Eine ausgestreckte Faust deckt etwa 10° ab.
Sicherheit. Bestimme den Sonnenstand nie, indem du direkt in die Sonne schaust. Nutze Schatten, eine App oder eine projizierte Abbildung.
Feinheiten, die Profis berücksichtigen
Der berechnete Stand ist zunächst geometrisch. Die Refraktion hebt die Sonne nahe dem Horizont um rund ein halbes Grad an, in 10° Höhe nur noch um etwa 5′, im Zenit gar nicht. Für Messungen mit dem Sextanten oder Theodolit kommen außerdem die Parallaxe (bei der Sonne nur knapp 9″) und die Beobachterhöhe hinzu. Für Alltagsfragen wie Schattenwurf ist das vernachlässigbar, für Vermessung und Navigation nicht.
Auf der Südhalbkugel ist das Bild gespiegelt: Dort kulminiert die Sonne im Norden bei Azimut 0°, und der Tagbogen läuft von Osten über Norden nach Westen. Zwischen den Wendekreisen kann sie je nach Datum im Norden oder Süden kulminieren und an zwei Tagen im Jahr genau im Zenit stehen.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Wo die Sonne gerade steht und wie sie im Lauf des Tages wandert, beantwortet Apphemeride auf der Objektseite der Sonne. Die Karte „Horizontverlauf“ stellt den Sonnenstand in vier Darstellungen dar: als Höhendiagramm über den Tag, als polare Azimut-Zeit-Uhr, als Azimut-über-Breite-Diagramm und als 24-h-Sichtbarkeitsband. Die Karte „Aufgang / Kulmination / Untergang“ nennt die Zeiten mit Azimuten. In der Karte „Korrekturen“ siehst du, welchen Einfluss die atmosphärische Refraktion hat. Die Weltkarte „Erde“ zeigt den Punkt, an dem die Sonne gerade im Zenit steht. Die Sonne mit ihren Datenkarten ist kostenlos; mit der Vollversion verschiebst du die Zeit per Zeitregler und wählst beliebige Orte – etwa um den Sonnenstand über deinem Garten an einem Dezembermittag zu sehen. Mehr auf der Seite Objektseiten in Apphemeride.
Häufige Fragen
Wie hoch steht die Sonne mittags?
Das hängt von deiner geografischen Breite und der Jahreszeit ab: Je weiter nördlich und je näher am Winter, desto tiefer. In Mitteleuropa (etwa 47° bis 55° Breite) steht die Sonne um den 21. Juni mittags zwischen etwa 58° und 66° hoch, an den Tagundnachtgleichen zwischen 35° und 43°, um den 21. Dezember nur zwischen etwa 11° und 19°. Die Höhe für deinen Ort und Tag zeigt dir Apphemeride in der Karte „Aufgang / Kulmination / Untergang“ und im Höhendiagramm.
Was bedeutet Azimut 180°?
Ein Azimut von 180° bezeichnet genau Süden, gezählt ab Norden (0°) im Uhrzeigersinn. Auf der Nordhalbkugel nördlich des Wendekreises steht die Sonne bei Azimut 180°, wenn sie kulminiert, also ihren höchsten Stand des Tages erreicht. Dieser Moment heißt wahrer Mittag und liegt in Deutschland selten genau um 12 Uhr.
Steht die Sonne in Deutschland jemals im Zenit?
Nein. Senkrecht über dir steht die Sonne nur zwischen den Wendekreisen, also zwischen etwa 23,4° nördlicher und südlicher Breite. Selbst am südlichsten Punkt Deutschlands bleibt die Sonne zur Sommersonnenwende rund 24° vom Zenit entfernt. Einen senkrechten Schatten, der verschwindet, gibt es nur in den Tropen.
Wovon hängt die Schattenlänge ab?
Von der Sonnenhöhe: Je tiefer die Sonne steht, desto länger der Schatten. Bei 45° ist er so lang, wie der Gegenstand hoch ist, nahe dem Horizont ein Vielfaches davon. Die Richtung des Schattens folgt dem Azimut der Sonne. Höhe und Richtung zu jeder Uhrzeit zeigt dir Apphemeride in der Karte „Horizontverlauf“ der Sonne.
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