Sonne & Tageslicht
Dämmerung: Wann beginnt die bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung?
Kurz erklärt
Die Dämmerung ist die Übergangszeit, in der die Sonne schon unter dem Horizont steht, die hohe Atmosphäre aber noch Licht streut. Nach der Sonnentiefe unterscheidet man bürgerliche (bis −6°), nautische (bis −12°) und astronomische Dämmerung (bis −18°). Wann jede Stufe an deinem Ort beginnt und endet, zeigt dir Apphemeride in der Karte „Lichtverhältnisse“.
- Goldene Stunde+6° bis −4°
- Bürgerliche Dämmerung0° bis −6°
- Blaue Stunde−4° bis −8°
- Nautische Dämmerung−6° bis −12°
- Astronomische Dämmerung−12° bis −18°
- Astronomische Nachtunter −18°
Warum es nach Sonnenuntergang nicht sofort dunkel wird
Geht die Sonne für dich unter, steht sie für die Luftschichten hoch über dir noch im Sonnenschein. Diese Schichten streuen das Licht zurück zum Boden und erhellen den Himmel. Je tiefer die Sonne sinkt, desto höher liegt die beleuchtete Luft, desto dünner ist sie – und desto weniger Licht kommt bei dir an. Die Dämmerung ist also kein Zustand, sondern ein gleitender Übergang, den die Sonnenhöhe unter dem Horizont beschreibt.
Einen Teil dieses Vorgangs kannst du direkt sehen. Dreh dich nach Sonnenuntergang zum Osthimmel: Dort steigt der Schatten der Erde als blaugrauer Streifen über den Horizont, darüber liegt ein rosafarbenes Band, der sogenannte Venusgürtel. Je tiefer die Sonne sinkt, desto höher wandert der Erdschatten, bis er in der nautischen Dämmerung mit dem dunkler werdenden Himmel verschmilzt.
Gemeint ist dabei stets die Höhe des Sonnenmittelpunkts gegenüber dem mathematischen Horizont, ohne Refraktion. Nur der Sonnenauf- und -untergang selbst wird mit −0,833° gerechnet; die Grenzen der Dämmerungsstufen sind runde, geometrisch definierte Werte.
Die drei Stufen im Überblick
Bürgerliche Dämmerung (0° bis −6°). In dieser Phase ist es im Freien hell genug, um ohne Kunstlicht zu lesen oder zu arbeiten. Die hellsten Planeten, allen voran Venus, und die hellsten Sterne tauchen auf. Viele Rechtsvorschriften, etwa zur Fahrzeugbeleuchtung oder in der Luftfahrt, beziehen sich auf diese Grenze. Die Phase umfasst streng genommen die Zeit zwischen Sonnenmittelpunkt bei −0,833° und −6°.
Nautische Dämmerung (−6° bis −12°). Der Name stammt aus der Seefahrt: Der Horizont über dem Meer ist noch erkennbar, zugleich sind genug Sterne sichtbar, um mit dem Sextanten die Höhe zu messen. An Land verschwinden Landschaftsdetails, die Sternbilder werden deutlich. Für Fotografen ist der Beginn dieser Phase oft die tiefblaue Zeit.
Astronomische Dämmerung (−12° bis −18°). Für das bloße Auge wirkt der Himmel bereits nahezu dunkel. Empfindliche Messungen und lichtschwache Ziele wie die Milchstraße oder das Zodiakallicht leiden aber noch unter dem Restlicht. Erst wenn die Sonne tiefer als −18° steht, trägt sie praktisch nichts mehr zur Himmelshelligkeit bei – die astronomische Nacht beginnt.
Abends laufen die Stufen in dieser Reihenfolge ab, morgens spiegelbildlich: Die astronomische Morgendämmerung beginnt, wenn die Sonne über −18° steigt.
Wie lange die Dämmerung dauert
Die Dauer hängt davon ab, wie steil die Sonne den Horizont kreuzt. Am Äquator sinkt sie fast senkrecht, die bürgerliche Dämmerung ist nach gut 20 Minuten vorbei. In mittleren Breiten läuft die Sonne schräg, die Phasen dehnen sich.
Das Prinzip: Je weiter du vom Äquator entfernt bist, desto flacher läuft die Sonne unter den Horizont und desto länger braucht sie für dieselben sechs Grad Sonnentiefe. In Mitteleuropa dauert die bürgerliche Dämmerung im Frühjahr und Herbst gut eine halbe Stunde, die nautische und die astronomische jeweils etwas länger. Im Sommer und Winter dauern alle Stufen länger, weil die Sonne den Horizont noch flacher schneidet. Am kürzesten ist die Dämmerung in mittleren Breiten kurz vor dem Frühlings- und kurz nach dem Herbstbeginn.
Wenn die Nacht nicht mehr dunkel wird
Um die Sommersonnenwende steht die Sonne in Mitteleuropa auch um Mitternacht nicht tief unter dem Horizont. Ihre tiefste Stellung um Mitternacht liegt umso höher, je weiter nördlich du bist und je näher die Sonnenwende rückt. In mittleren Breiten um 50° erreicht die Sonne −18° dann nicht mehr, die astronomische Dämmerung geht abends nahtlos in die Morgendämmerung über. Zwischen etwa Ende Mai und Ende Juli gibt es dort keine astronomische Nacht.
Weiter nördlich wird der Effekt stärker. Ab etwa 54,6° Breite – das ist ganz im Norden Deutschlands – sinkt die Sonne zur Sonnenwende nicht einmal unter −12°. Jenseits von rund 60° folgen die „weißen Nächte“, in denen die bürgerliche Dämmerung die ganze Nacht anhält. Für Deep-Sky-Fotografen ist der Hochsommer in nördlichen Breiten deshalb Pause; für Nachtwanderer ist er ein Geschenk.
Tipps für Beobachtung und Fotografie
- Für Planeten und den Mond reicht oft die nautische Dämmerung. Merkur und Venus stehen ohnehin nur in der Dämmerung über dem Horizont.
- Für die Milchstraße, schwache Sternhaufen oder Polarlichtfotos solltest du das Ende der astronomischen Dämmerung abwarten und zusätzlich den Mond im Blick behalten: Ein heller Mond hellt den Himmel stärker auf als die späte astronomische Dämmerung.
- Plane die Anfahrt so, dass du in der bürgerlichen Dämmerung ankommst. Dann siehst du das Gelände noch, und deine Augen haben Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Volle Dunkeladaption braucht 20 bis 30 Minuten.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Wann es an deinem Ort dunkel wird, beantwortet Apphemeride direkt: Auf der Objektseite der Sonne listet die Karte „Lichtverhältnisse“ die Zeiten der astronomischen, nautischen und bürgerlichen Dämmerung für deinen Standort, dazu Blaue Stunde und Goldene Stunde – kostenlos, wie alle Datenkarten der Sonne. Fällt eine Stufe aus, weil die Sonne im Sommer nicht tief genug sinkt, siehst du das dort ebenso. In der Übersicht fasst die Karte „Ausblick auf heute Nacht“ Beginn und Ende der Dunkelheit zusammen, kombiniert mit Mondaufgang und -untergang, störendem Mondlicht und den Planeten, die in der Dunkelheit über 10° stehen. „Heute Nacht“ reicht dabei von jetzt bis zur oberen Kulmination der Sonne am Folgetag und funktioniert daher auch in Polartag und Polarnacht. Der Ausblick gehört zur Vollversion, die du nach einer 3-tägigen Testphase freischaltest. Wie das aussieht, zeigt die Seite Übersicht für heute Nacht. Auf der Weltkarte „Erde“ siehst du außerdem die Dämmerungszonen entlang der Tag-Nacht-Grenze.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Dämmerung in Deutschland?
Die bürgerliche Dämmerung dauert in Deutschland je nach Jahreszeit und Breite etwa 30 Minuten bis knapp eine Stunde, am kürzesten im März und September, am längsten im Juni im Norden. Von Sonnenuntergang bis zum Ende der astronomischen Dämmerung vergehen im Frühjahr und Herbst knapp zwei Stunden. Um die Sommersonnenwende endet die astronomische Dämmerung in ganz Deutschland gar nicht, weil die Sonne nicht tief genug sinkt.
Was ist der Unterschied zwischen nautischer und astronomischer Dämmerung?
Während der nautischen Dämmerung steht die Sonne zwischen 6° und 12° unter dem Horizont. Der Meereshorizont ist noch sichtbar, hellere Sterne ebenfalls. In der astronomischen Dämmerung, zwischen −12° und −18°, wirkt der Himmel dem Auge fast dunkel, schwache Objekte sind aber noch durch Restlicht beeinträchtigt. Erst unter −18° ist es astronomisch vollständig dunkel.
Wann ist es richtig dunkel?
Astronomisch dunkel ist es, sobald die Sonne mehr als 18° unter dem Horizont steht und kein Mond am Himmel ist. In Mitteleuropa ist das im Winter schon am frühen Abend der Fall, im Hochsommer dagegen nie. Lichtverschmutzung kann den Himmel in Städten allerdings stärker aufhellen als jede Dämmerung. Den Beginn der Dunkelheit für deinen Standort und die heutige Nacht nennt dir Apphemeride im „Ausblick auf heute Nacht“.
Gibt es Dämmerung auch am Äquator?
Ja, aber sie ist kurz. Weil die Sonne am Äquator fast senkrecht unter den Horizont sinkt, dauert die bürgerliche Dämmerung dort nur gut 20 Minuten und die gesamte Dämmerung bis −18° etwa eine Stunde und zehn Minuten. Daher der Eindruck, dass es in den Tropen „schlagartig“ dunkel wird.
Verwandte Themen
Zur Funktionsseite
- Übersicht – Deine Nacht auf einen Blick: Dunkelheit, Mond, Planeten, Ereignisse.
- Im Glossar nachschlagen