Finsternisse
Ringförmige Sonnenfinsternis: Wann entsteht ein Feuerring statt Totalität?
Kurz erklärt
Ob eine zentrale Sonnenfinsternis total oder ringförmig wird, entscheidet das Größenverhältnis von Mond und Sonne am Himmel. Erscheint der Mond größer als die Sonne, deckt er sie ganz ab. Steht er weit von der Erde entfernt und wirkt kleiner, bleibt ein leuchtender Ring stehen. Welcher Typ eine Finsternis ist, zeigt dir Apphemeride mit dem Größenverhältnis Mond/Sonne.
Ein glücklicher Zufall der Größen
Die Sonne ist rund 400-mal so groß wie der Mond, aber auch ungefähr 400-mal so weit entfernt. Deshalb erscheinen beide am Himmel etwa gleich groß, rund ein halbes Grad. Ganz gleich ist das Verhältnis allerdings nie, denn beide Abstände schwanken:
- Der Mond ist zwischen etwa 356.000 und 407.000 Kilometern von der Erde entfernt. Sein scheinbarer Durchmesser schwankt dadurch um rund 14 Prozent, etwa zwischen 29,4 und 33,5 Bogenminuten.
- Die Erde läuft auf einer leicht elliptischen Bahn um die Sonne. Anfang Januar ist sie ihr am nächsten, Anfang Juli am fernsten. Der scheinbare Sonnendurchmesser schwankt dadurch nur um gut 3 Prozent, etwa zwischen 31,5 und 32,5 Bogenminuten.
Weil die Spanne des Mondes beide Seiten der Sonnengröße überdeckt, sind beide Finsternistypen möglich.
Das Größenverhältnis als Entscheidungsgröße
Das Größenverhältnis Mond/Sonne vergleicht den scheinbaren Durchmesser des Mondes mit dem der Sonne. Ist es größer als 1, wird eine zentrale Finsternis total. Ist es kleiner als 1, wird sie ringförmig.
Wie knapp es dabei zugeht, zeigt die Spanne der scheinbaren Durchmesser: Wenige Prozent entscheiden, ob ein schmaler Ring stehen bleibt oder der Mond die Sonne gerade eben ganz abdeckt. Liegt das Verhältnis deutlich unter 1, entsteht ein breiter Ring mit langer Ringphase. Liegt es deutlich über 1, ist eine lange Totalität möglich.
Je näher das Verhältnis an 1 liegt, desto knapper fällt die Sache aus. Bei solchen Finsternissen ist der Ring hauchdünn oder die Totalität sehr kurz, und die Perlschnur aus Lichtpunkten am zerklüfteten Mondrand ist besonders eindrucksvoll.
Ringphase, Hybridfinsternis und Häufigkeit
Bei einer ringförmigen Finsternis reicht die Spitze des Kernschattenkegels nicht bis zur Erde. Auf der Erde liegt stattdessen der Gegenschatten, die Verlängerung dieses Kegels. In seinem Pfad sehen Beobachter die Ringphase zwischen den Kontakten C2 und C3. Sie kann deutlich länger dauern als eine Totalität, bis zu gut zwölf Minuten.
Weil der Mond im Mittel minimal kleiner erscheint als die Sonne, sind ringförmige Finsternisse insgesamt etwas häufiger als totale. Ein seltener Sonderfall ist die **Hybridfinsternis**: Die Erdkrümmung bringt die Mitte des Pfads ein wenig näher an den Mond, sodass die Finsternis dort total ist, an den Enden des Pfads aber ringförmig.
Der Mond entfernt sich übrigens sehr langsam von der Erde, um wenige Zentimeter pro Jahr. In ferner Zukunft wird er die Sonne deshalb nie mehr vollständig abdecken können, und es wird nur noch ringförmige Finsternisse geben.
Was du bei einer ringförmigen Finsternis siehst
Eine ringförmige Finsternis wird nie richtig dunkel. Selbst wenn über 90 Prozent der Sonnenfläche bedeckt sind, bleibt es so hell wie an einem trüben Tag, und die Korona bleibt unsichtbar. Dafür bietet sie eigene Reize: den perfekt symmetrischen Ring bei zentralem Stand, ringförmige Lichtflecken unter Bäumen und ein fahles, kontrastreiches Licht mit schärferen Schatten. Mit Sonnenfilter vor Objektiv oder Teleskop lässt sich der Ring sicher fotografieren.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Ob dich ein Feuerring oder eine Totalität erwartet, beantwortet Apphemeride auf einen Blick: Die App zeigt für jede Sonnenfinsternis das Größenverhältnis Mond/Sonne und damit, ob sie total oder ringförmig ist; global werden Typ, Gamma und Größe aus Besselschen Elementen und ΔT berechnet. Lokal erhältst du die Kontakte C1–C4, das Maximum und die Dauer der Ringphase oder Totalität. In der Vollversion zeigt die Finsternissimulation den Ablauf an deinem Ort Sekunde für Sekunde, und die Finsternispfade im Bereich Erde markieren Kernschatten und Gegenschatten mit Zentrallinie und Linien gleicher Größe. Auch Entfernung und Winkelgröße des Mondes kannst du auf seiner Objektseite verfolgen. Mehr dazu: Ringförmige und totale Finsternisse berechnen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ringförmiger und totaler Sonnenfinsternis?
Bei einer totalen Finsternis erscheint der Mond größer als die Sonne und deckt sie vollständig ab, sodass die Korona sichtbar wird und es dunkel wird. Bei einer ringförmigen ist der Mond weiter von der Erde entfernt und erscheint kleiner. Ein heller Sonnenring bleibt stehen, und es wird nur dämmrig.
Warum heißt die ringförmige Finsternis „Feuerring“?
Weil bei zentralem Stand ein gleichmäßig leuchtender Ring der Sonnenscheibe um den dunklen Mond stehen bleibt. Der Begriff ist bildhaft, mit Feuer hat der Ring nichts zu tun. Er ist allerdings so hell, dass du ihn nur mit einer Finsternisbrille nach ISO 12312-2 oder geprüftem Sonnenfilter ansehen darfst.
Kann man bei einer ringförmigen Finsternis die Brille abnehmen?
Nein, zu keinem Zeitpunkt. Anders als bei der Totalität bleibt bei einer ringförmigen Finsternis immer ein Teil der Sonnenoberfläche sichtbar. Schon dieser schmale Ring ist hell genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Brille und Filter bleiben deshalb während der gesamten Finsternis im Einsatz.
Welche Finsternisart ist häufiger?
Ringförmige Finsternisse sind etwas häufiger als totale, weil der Mond im Mittel minimal kleiner erscheint als die Sonne. Am häufigsten sind allerdings partielle Finsternisse, bei denen der Mondschatten die Erde nicht zentral trifft. Hybridfinsternisse, die teils total und teils ringförmig sind, kommen nur selten vor.
Verwandte Themen
Zur Funktionsseite
- Finsternisse – Pfade, Kontaktzeiten und Simulation Sekunde für Sekunde.
- Im Glossar nachschlagen