Finsternisse
Mondfinsternis und Blutmond: Phasen, Farbe und Sichtbarkeit
Kurz erklärt
Eine Mondfinsternis entsteht, wenn der Vollmond durch den Schatten der Erde wandert. Sie ist überall dort sichtbar, wo der Mond gerade über dem Horizont steht, also auf der gesamten Nachtseite der Erde. In der Totalität färbt er sich kupferrot. Ob du sie ganz, teilweise oder gar nicht siehst, zeigt dir Apphemeride für deinen Standort.
Wie eine Mondfinsternis entsteht
Die Erde wirft einen langen Schattenkegel ins All, der von der Sonne wegzeigt. Bei Vollmond steht der Mond auf dieser Seite der Erde. Wie bei der Sonnenfinsternis verhindert die rund 5 Grad geneigte Mondbahn, dass das jeden Monat passiert: Meist zieht der Vollmond ober- oder unterhalb des Schattens vorbei. Nur wenn er nahe einem Mondknoten steht, taucht er in den Schatten ein.
Der Erdschatten hat zwei Teile. Im inneren **Kernschatten ist die Sonne vom Mond aus gesehen vollständig hinter der Erde verborgen. Im äußeren Halbschatten** ist sie nur teilweise verdeckt. In Höhe der Mondbahn ist der Kernschatten etwa zweieinhalb- bis dreimal so breit wie der Mond. Daraus ergeben sich drei Typen:
- Totale Mondfinsternis: Der Mond taucht ganz in den Kernschatten ein.
- Partielle Mondfinsternis: Nur ein Teil des Mondes erreicht den Kernschatten.
- Halbschatten-Mondfinsternis: Der Mond durchquert nur den Halbschatten. Er wird dabei nur leicht grau, oft unbemerkt.
Anders als bei der Sonnenfinsternis braucht es hier keinen schmalen Pfad: Alle, die den Mond während der Finsternis über dem Horizont haben, sehen dasselbe.
Die Phasen im Ablauf
Eine totale Mondfinsternis läuft über mehrere Stunden in klar definierten Kontakten ab:
| Kontakt | Bedeutung |
|---|---|
| P1 | Mond berührt den Halbschatten |
| U1 | Mond berührt den Kernschatten, die partielle Phase beginnt |
| U2 | Mond ist vollständig im Kernschatten, die Totalität beginnt |
| U3 | Mond beginnt den Kernschatten zu verlassen, die Totalität endet |
| U4 | Mond hat den Kernschatten verlassen |
| P4 | Mond verlässt den Halbschatten |
Die Halbschattenphasen zwischen P1 und U1 sowie zwischen U4 und P4 fallen mit bloßem Auge kaum auf; eine leichte Abdunklung wird meist erst sichtbar, wenn der Mond schon tief im Halbschatten steht. Der eigentliche Anblick beginnt mit U1, wenn eine dunkle Delle in die Mondscheibe wandert. Eine Totalität kann bis zu gut eineinhalb Stunden dauern. Die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts fand am 27. Juli 2018 statt und war auch in Deutschland zu sehen.
Ein Maß für die Tiefe der Finsternis ist die **Kernschattengröße**: Sie gibt an, wie weit der Mond am Maximum in den Kernschatten eintaucht, gemessen in Monddurchmessern. Bleibt sie unter 1, ragt ein Teil des Mondes aus dem Kernschatten heraus, und die Finsternis ist partiell. Erreicht sie 1, ist der Mond vollständig eingetaucht, die Finsternis ist total. Je größer der Wert, desto tiefer steckt der Mond im Schatten und desto länger kann die Totalität dauern.
Warum der Mond rot wird
Ganz verschwindet der Mond im Kernschatten fast nie. Die Erdatmosphäre wirkt wie eine Linse: Sie bricht das Sonnenlicht am Erdrand ein Stück in den Schatten hinein. Auf diesem langen Weg durch die Luft wird blaues Licht weitgehend herausgestreut, das rote kommt durch. Der Mond wird also vom Licht aller Sonnenauf- und Sonnenuntergänge der Erde zugleich beleuchtet.
Wie hell und wie rot der Mond wird, hängt vom Zustand der Erdatmosphäre ab. Nach großen Vulkanausbrüchen mit viel Staub in der Stratosphäre kann er tief dunkel werden, bei klarer Luft leuchtet er hell orange. Beobachter schätzen die Farbe mit der fünfstufigen **Danjon-Skala** ein, von sehr dunkel bis hell kupferrot. Auch innerhalb einer Finsternis ist der Mond selten gleichmäßig gefärbt: Der Rand nahe der Schattengrenze bleibt meist heller.
Tipps für die Beobachtung
Eine Mondfinsternis kannst du ohne jeden Schutz beobachten, mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop. Entscheidend ist, ob der Mond während der Finsternis bei dir über dem Horizont steht. Manchmal geht er schon verfinstert auf oder geht während der Totalität unter. Dann lohnt ein Platz mit freier Sicht nach Osten oder Westen.
Fürs Fotografieren brauchst du ein Stativ. Während der partiellen Phase ist der helle Teil um ein Vielfaches heller als der verfinsterte, in der Totalität sind deutlich längere Belichtungen nötig. Weil der Mond in der Totalität so dunkel ist, werden ringsum plötzlich auch schwächere Sterne sichtbar – ein Anblick, den ein Vollmond sonst nie bietet.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Ob du die nächste Mondfinsternis siehst und wann der Mond in den Schatten taucht, beantwortet Apphemeride für deinen Standort. Für jede Mondfinsternis zeigt die App die Kontakte P1, U1–U4 und P4, die Kernschatten- und Halbschattengröße sowie die Schattengeometrie. Für deinen Standort sagt dir die App, ob die Finsternis ganz, teilweise oder nicht sichtbar ist. In der Vollversion zeigt die Mondfinsternissimulation den Ablauf an deinem Ort in Echtzeit, 30-fach, mit 1 min/s oder 2 min/s, auch in 3D; die Ereignisliste zeigt dir die nächsten Mondfinsternisse samt Erinnerung. So weißt du früh, ob sich ein Platz mit freiem Horizont lohnt. Mehr dazu: Mondfinsternisse mit Apphemeride berechnen.
Häufige Fragen
Was ist ein Blutmond?
So nennt man den Mond während einer totalen Mondfinsternis. Er liegt dann im Kernschatten der Erde, wird aber von Sonnenlicht erreicht, das die Erdatmosphäre in den Schatten bricht. Weil dabei vor allem rotes Licht durchkommt, leuchtet der Mond kupfer- bis dunkelrot. Wie intensiv, hängt vom Zustand der Atmosphäre ab.
Wie lange dauert eine Mondfinsternis?
Vom Eintritt in den Halbschatten (P1) bis zum Austritt (P4) vergehen bei einer zentralen totalen Finsternis rund fünf bis sechs Stunden. Die gut sichtbare Kernschattenphase von U1 bis U4 dauert bis zu knapp vier Stunden, die Totalität selbst bis zu gut eineinhalb Stunden. Kürzere Finsternisse streifen den Kernschatten nur.
Braucht man für eine Mondfinsternis eine Schutzbrille?
Nein. Bei einer Mondfinsternis schaust du auf den Mond, nicht in die Sonne. Er ist sogar dunkler als ein gewöhnlicher Vollmond. Bloßes Auge, Fernglas und Teleskop sind völlig unbedenklich. Eine Finsternisbrille brauchst du nur bei einer Sonnenfinsternis. Für Fotos genügen Stativ und etwas Geduld.
Sieht man eine Mondfinsternis überall auf der Welt?
Überall dort, wo der Mond während der Finsternis über dem Horizont steht – das ist die gesamte Nachtseite der Erde. Alle Beobachter erleben die Kontakte im selben Moment, nur die Uhrzeit unterscheidet sich je nach Zeitzone. Wer am Rand der Nachtseite lebt, sieht den Mond verfinstert auf- oder untergehen.
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