Sonne & Tageslicht
Sonnenflecken heute: Was sie sind und wie du sie sicher beobachtest
Kurz erklärt
Sonnenflecken sind kühlere Bereiche der Sonnenoberfläche, in denen starke Magnetfelder den Wärmetransport bremsen. Deshalb wirken sie im Kontrast zur heißeren Umgebung dunkel. Ihre Zahl folgt dem etwa elfjährigen Sonnenzyklus; beobachten darfst du sie nur mit zertifiziertem Sonnenfilter. Die aktuellen Fleckengruppen samt Klassifikation zeigt dir Apphemeride in der Vollversion.
Was Sonnenflecken sind
Die sichtbare Oberfläche der Sonne, die **Photosphäre**, hat eine Temperatur von rund 5.800 K. Unter ihr transportieren Konvektionsströme Wärme nach außen. Wo gebündelte Magnetfelder die Oberfläche durchstoßen, wird diese Strömung unterdrückt: Es kommt weniger Wärme nach oben, das Gebiet kühlt ab.
Ein voll entwickelter Fleck besteht aus zwei Teilen: der dunklen Umbra im Zentrum und der helleren, faserig strukturierten Penumbra darum. Dunkel ist ein Fleck nur im Kontrast. Für sich genommen würde eine Umbra heller leuchten als der Vollmond.
Sonnenflecken treten meist in Gruppen auf, oft paarweise mit entgegengesetzter magnetischer Polarität. Kleine Flecken leben Stunden bis Tage, große Gruppen können mehrere Sonnenrotationen überdauern. Manche Gruppen sind größer als die Erde, einzelne Gruppen ein Vielfaches davon.
Im Teleskop siehst du um die Flecken herum oft mehr. Nahe dem Sonnenrand, wo die Scheibe dunkler wird, treten helle Fackeln hervor – magnetisch aufgeheizte Gebiete, die einer Fleckengruppe vorausgehen oder sie überdauern. Bei ruhiger Luft zeigt sich die ganze Oberfläche körnig: Diese Granulation besteht aus Konvektionszellen von rund 1.000 Kilometern Durchmesser, die sich nach etwa zehn Minuten auflösen. Liegt ein Fleck nahe am Rand, erscheint die Penumbra auf der zur Scheibenmitte gewandten Seite schmaler – ein Hinweis darauf, dass Flecken leichte Mulden in der Photosphäre sind.
Der Sonnenzyklus
Die Zahl der Flecken schwankt in einem Rhythmus von durchschnittlich etwa 11 Jahren, mit einzelnen Zyklen zwischen rund 9 und 14 Jahren. Zum Minimum ist die Sonne oft tagelang fleckenfrei, zum Maximum zeigen sich viele Gruppen gleichzeitig. Mit jedem Zyklus kehrt sich das Magnetfeld der Sonne um; der vollständige magnetische Zyklus dauert daher etwa 22 Jahre.
Zu Beginn eines Zyklus entstehen die Flecken in mittleren heliografischen Breiten um 30° bis 35°, im Verlauf rücken sie zum Äquator. Trägt man ihre Breiten über die Zeit auf, entsteht das berühmte Schmetterlingsdiagramm.
Die Zählung der Zyklen beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts. Der aktuelle Zyklus 25 begann Ende 2019 und hatte seine aktivste Phase um 2024/2025. Danach nimmt die Fleckenzahl über mehrere Jahre ab, große Gruppen bleiben aber jederzeit möglich. Ein historisches Ausnahmekapitel ist das Maunder-Minimum von etwa 1645 bis 1715, in dem kaum Flecken beobachtet wurden.
Als Maß für die Aktivität dient die Sonnenfleckenrelativzahl nach Rudolf Wolf. Sie berücksichtigt sowohl die Zahl der Gruppen als auch die der Einzelflecken, wobei jede Gruppe deutlich stärker ins Gewicht fällt als ein einzelner Fleck – eine neue Gruppe sagt mehr über die Aktivität aus als ein weiterer Fleck in einer bestehenden. Ein Korrekturfaktor gleicht Unterschiede zwischen Beobachtern und Instrumenten aus, sodass sich Zählungen aus über zweieinhalb Jahrhunderten vergleichen lassen.
Wie Fleckengruppen klassifiziert werden
Fachleute beschreiben eine Gruppe mit zwei Klassifikationen:
Mount-Wilson-Klasse – nach der magnetischen Struktur. α bedeutet eine unipolare Gruppe, β eine bipolare mit klarer Trennung der Polaritäten, γ eine komplexe Mischung. Ein zusätzliches δ steht für Umbren entgegengesetzter Polarität innerhalb derselben Penumbra. Gruppen mit β-γ-δ-Struktur gelten als besonders aktiv und können starke Flares auslösen.
McIntosh-Klasse – nach dem Erscheinungsbild, mit drei Buchstaben: der Grundtyp der Gruppe (von A für einen kleinen Einzelfleck bis F für sehr ausgedehnte bipolare Gruppen sowie H), die Art der Penumbra des größten Flecks und die Verteilung der Flecken innerhalb der Gruppe.
Für die Lage auf der Sonnenscheibe brauchst du drei Winkel: P, den Positionswinkel der Rotationsachse (bis etwa ±26°), B0, die heliografische Breite der Scheibenmitte (bis etwa ±7,25°), und L0, die heliografische Länge der Scheibenmitte. Weil die Sonne sich, von der Erde aus gesehen, in rund 27 Tagen einmal dreht, wandert ein Fleck in knapp zwei Wochen vom Ost- zum Westrand.
Sonnenflecken sicher beobachten
Schau niemals ungeschützt in die Sonne – erst recht nicht durch Fernglas, Teleskop oder Kamerasucher. Schon Sekunden können die Netzhaut dauerhaft schädigen, ohne dass es schmerzt.
Sichere Methoden:
- Sonnenfinsternisbrille nach ISO 12312-2: Sehr große Fleckengruppen erkennst du damit schon mit bloßem Auge. Die Brille muss unbeschädigt sein.
- Objektivfilter: Für Fernglas und Teleskop gehört ein zertifizierter Filter vor das Objektiv, fest montiert. Okularfilter, die hinter dem Objektiv sitzen, sind gefährlich und können durch die Hitze springen.
- Projektion: Mit einem kleinen Teleskop oder Fernglas wird das Sonnenbild auf einen weißen Karton projiziert. Niemand darf dabei durch das Instrument schauen; Sucherfernrohre gehören abgedeckt.
- Spezialinstrumente: Ein Herschelkeil am Linsenteleskop liefert ein sehr kontrastreiches Weißlichtbild. Wasserstoff-Alpha-Teleskope zeigen zusätzlich Protuberanzen und Filamente.
Die beste Zeit ist der Vormittag, wenn die Luft noch ruhiger ist. Führe ein Beobachtungsbuch mit Datum, Uhrzeit, Gruppen- und Fleckenzahl – nach einigen Wochen siehst du die Sonnenrotation selbst.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Welche Fleckengruppen heute auf der Sonne stehen und wie sie eingeordnet sind, zeigt Apphemeride auf der Objektseite der Sonne. Die Karte „Sonnenscheibe“ liefert die Winkel P, B0 und L0, also die Ausrichtung der Sonne am Himmel – damit weißt du, wo Rotationsachse und Äquator der Sonne in deinem Bild liegen. Die Karte „Sonnenflecken“ zeigt die aktuellen Fleckengruppen nach Daten von NOAA/SWPC, jeweils mit Mount-Wilson- und McIntosh-Klasse. Diese Daten werden aus dem Internet geladen: Während alle Berechnungen auf dem Gerät laufen, brauchen die Sonnenflecken eine Online-Verbindung. Die Karte „Sonnenflecken“ gehört zur Vollversion, die du nach einer 3-tägigen Testphase freischaltest; die Sonne selbst mit Aufgang, Kulmination und Untergang bleibt kostenlos. Mehr auf der Seite Objektseiten in Apphemeride.
Häufige Fragen
Kann man Sonnenflecken mit bloßem Auge sehen?
Sehr große Fleckengruppen ja, aber nur mit einer intakten Sonnenfinsternisbrille nach ISO 12312-2 oder einem gleichwertigen Filter. Ohne Schutz darfst du nie in die Sonne schauen, auch nicht kurz. Kleinere Flecken brauchen ein Fernglas oder Teleskop mit zertifiziertem Objektivfilter oder die Projektionsmethode.
Warum sind Sonnenflecken dunkel?
Sonnenflecken sind etwa 1.500 bis 2.000 K kühler als die umgebende Photosphäre. Starke Magnetfelder bremsen dort die Konvektion, die Wärme aus dem Inneren an die Oberfläche bringt. Weil die Strahlung stark mit der Temperatur steigt, wirken die kühleren Bereiche im Vergleich dunkel, obwohl sie für sich genommen sehr hell leuchten.
Wie lange dauert ein Sonnenzyklus?
Ein Sonnenfleckenzyklus dauert im Mittel etwa 11 Jahre, einzelne Zyklen zwischen rund 9 und 14 Jahren. Weil sich das Magnetfeld der Sonne mit jedem Zyklus umpolt, dauert der vollständige magnetische Zyklus etwa 22 Jahre. Die Zählung der Zyklen reicht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück.
Haben Sonnenflecken Einfluss auf die Erde?
Indirekt ja. Aktive Fleckengruppen sind Ausgangspunkt von Flares und koronalen Massenauswürfen. Treffen solche Teilchenwolken die Erde, können sie Polarlichter bis in mittlere Breiten auslösen und Funkverbindungen oder Satelliten stören. Die Fleckenzahl allein sagt aber nicht vorher, wann ein solcher Sturm eintritt.
Verwandte Themen
Zur Funktionsseite
- Objektseiten – Alle Daten zu Sonne, Mond, Planeten und Sternen.
- Im Glossar nachschlagen