Mond
Erdschein: Warum die dunkle Seite der Mondsichel schwach leuchtet
Kurz erklärt
Erdschein ist Sonnenlicht, das die Erde auf die Nachtseite des Mondes wirft und das von dort zu uns zurückkommt. Er lässt die unbeleuchtete Scheibe neben einer schmalen Sichel aschgrau schimmern und ist einige Tage vor und nach Neumond am deutlichsten. Phase, Mondalter und die Höhe der Sichel in der Dämmerung zeigt dir Apphemeride.
Licht, das zweimal reflektiert wird
Schau dir eine schmale Mondsichel in der Abenddämmerung genau an: Oft ist nicht nur die helle Sichel zu sehen, sondern die ganze runde Scheibe, schwach grau erleuchtet. Dieses Leuchten nennt man **Erdschein oder aschgraues Mondlicht**. Eine bekannte Beschreibung dafür lautet: „der alte Mond im Arm des neuen“.
Der Lichtweg ist erstaunlich. Sonnenlicht trifft auf die Erde, wird von Wolken, Ozeanen, Eis und Land reflektiert und erreicht die Nachtseite des Mondes. Von dort wird ein kleiner Teil erneut reflektiert und gelangt zurück zu deinem Auge. Du siehst also Licht, das die Erde selbst ausgesendet hat und das über den Mond zurückkommt.
Schon Leonardo da Vinci hat diesen Zusammenhang Anfang des 16. Jahrhunderts erkannt und beschrieben. Vor ihm hielt man das Leuchten für eine Eigenschaft des Mondes selbst.
Warum er um Neumond am stärksten ist
Die Phasen von Erde und Mond sind gegenläufig. Steht für uns ein Neumond am Himmel, sieht ein Beobachter auf dem Mond eine „Vollerde“: die Taghälfte der Erde, voll beleuchtet. Je schmaler die Mondsichel, desto voller erscheint die Erde vom Mond aus – und desto mehr Licht fällt auf die Mondnachtseite.
Die Erde ist dabei eine eindrucksvolle Lampe. Vom Mond aus erscheint sie fast viermal so groß im Durchmesser wie der Mond von der Erde aus, und ihre Wolken reflektieren Sonnenlicht deutlich besser als das dunkle Mondgestein. Eine Vollerde am Mondhimmel ist deshalb um ein Vielfaches heller als ein Vollmond bei uns.
Zwei Faktoren wirken dabei zusammen: Die Erde nimmt am Mondhimmel ein Vielfaches der Fläche ein, die der Mond an unserem Himmel bedeckt, und jede Flächeneinheit der Erde wirft im Mittel deutlich mehr Licht zurück als das Mondgestein. Deshalb leuchtet eine Vollerde um mehrere Dutzend Mal heller als ein Vollmond – hell genug, um die Mondnachtseite für uns sichtbar zu machen.
Nimmt der Mond zu, wird die Erde vom Mond aus gesehen immer schmaler, und die helle Mondseite überstrahlt den Rest. Ab etwa dem Ersten Viertel ist vom Erdschein mit bloßem Auge kaum noch etwas zu sehen.
Wann und wo du ihn am besten siehst
Ideal sind die Tage zwei bis fünf nach Neumond am Abendhimmel und zwei bis fünf vor Neumond am Morgenhimmel. Die Dämmerung sollte schon fortgeschritten, der Himmel aber noch nicht völlig dunkel sein, damit die Sichel nicht zu tief steht.
Die Jahreszeit spielt mit: In mittleren nördlichen Breiten steht die zunehmende Abendsichel im Frühjahr besonders hoch über dem Westhorizont, die abnehmende Morgensichel im Herbst besonders hoch im Osten. In diesen Monaten ist der Erdschein am leichtesten zu sehen, weil der Mond dann aus dem Dunst am Horizont herausragt.
Die Helligkeit schwankt auch von Monat zu Monat. Je nachdem, welche Erdseite gerade zum Mond zeigt und wie viele Wolken dort liegen, wirft die Erde mehr oder weniger Licht zurück. Die Forschung nutzt Messungen des Erdscheins deshalb, um das Rückstrahlvermögen der Erde zu bestimmen, die sogenannte Albedo – eine wichtige Größe für das Klima.
Den Erdschein fotografieren
Für ein Foto brauchst du ein Stativ und eine Belichtung, die eher länger ist als für die Sichel allein. Die Sichel brennt dabei aus, dafür zeichnet sich die graue Scheibe ab. Mit einem Teleobjektiv werden im Erdschein sogar die dunklen Mondmeere erkennbar. Wer beide Bereiche korrekt belichtet zeigen möchte, kombiniert zwei unterschiedlich belichtete Aufnahmen. Eine Landschaft oder Silhouette im Vordergrund macht das Bild lebendig, und die Dämmerungsfarben am Himmel bringen zusätzliche Tiefe.
So beantwortet es Apphemeride
So beantwortet es Apphemeride
Ob heute ein guter Abend für den Erdschein ist, beantwortet dir Apphemeride mit wenigen Blicken. Die App kann beim Mond den Erdschein auf seiner Nachtseite darstellen; du schaltest ihn in den Einstellungen ein, standardmäßig zeigt die App nur die Sonnenbeleuchtung. Die 3D-Szene des Mondes zeigt Sichel und Nachtseite zum gewählten Zeitpunkt. Die Karte Mondphasen nennt dir Phase und Mondalter, sodass du die günstigen Tage um Neumond schnell findest; im Horizontverlauf siehst du, wie hoch die Sichel in der Dämmerung steht, und Lichtverhältnisse zeigen die Dämmerungszeiten. Die Datenkarten zu Sonne und Mond sind kostenlos; Netz- und Winkelgrößen-Overlays der 3D-Szene sowie die Zeitreise gehören zur Vollversion. Mehr dazu: Objektseiten mit 3D-Mond.
Häufige Fragen
Was ist aschgraues Mondlicht?
So nennt man den Erdschein: das schwache graue Leuchten der unbeleuchteten Mondseite neben einer schmalen Sichel. Es entsteht, weil die Erde Sonnenlicht auf die Nachtseite des Mondes wirft, das von dort zurück zu uns reflektiert wird. Am besten siehst du es wenige Tage vor oder nach Neumond.
Wann ist der Erdschein am besten zu sehen?
Etwa zwei bis fünf Tage nach Neumond in der Abenddämmerung oder zwei bis fünf Tage vor Neumond in der Morgendämmerung. Besonders günstig ist in mittleren nördlichen Breiten das Frühjahr für die Abendsichel und der Herbst für die Morgensichel, weil der Mond dann höher über dem Horizont steht.
Warum verschwindet der Erdschein zum Halbmond hin?
Weil zwei Effekte zusammenwirken: Vom Mond aus gesehen nimmt die Erde ab, sie wirft also weniger Licht auf die Mondnachtseite. Gleichzeitig wird die beleuchtete Mondseite für uns immer größer und heller und überstrahlt das schwache Leuchten. Etwa ab dem Ersten Viertel ist der Erdschein mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen.
Hat der Erdschein etwas mit dem Klima zu tun?
Indirekt ja. Wie hell der Erdschein ist, hängt davon ab, wie viel Sonnenlicht die Erde zurückwirft – vor allem durch Wolken, Eis und Schnee. Messungen des Erdscheins sind deshalb eine Methode, das Rückstrahlvermögen der Erde über lange Zeit zu verfolgen, eine wichtige Größe für die Energiebilanz des Klimas.
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