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Mond

Libration des Mondes: Warum wir mehr als die Hälfte des Mondes sehen

Kurz erklärt

Libration ist ein scheinbares Schwanken des Mondes, durch das wir abwechselnd etwas über seinen Ost-, West-, Nord- und Südrand hinaussehen. Ursachen sind die elliptische Mondbahn, die geneigte Mondachse und dein Standort auf der Erde. Über die Zeit werden so rund 59 Prozent der Oberfläche sichtbar. Die aktuelle Libration in vier Varianten zeigt dir Apphemeride kostenlos.

Gebundene Rotation – und warum sie nicht perfekt ist

Der Mond dreht sich in genau derselben Zeit einmal um seine Achse, in der er die Erde umkreist. Diese gebundene Rotation sorgt dafür, dass er uns stets dieselbe Seite zuwendet. Die Rückseite bleibt von der Erde aus unsichtbar.

Ganz starr ist dieser Blick aber nicht. Die Rotation des Mondes läuft gleichmäßig, seine Bahnbewegung dagegen nicht. Außerdem steht seine Achse leicht schräg, und wir beobachten ihn nicht vom Erdmittelpunkt aus, sondern von der Oberfläche. Jede dieser Abweichungen lässt den Mond für uns ein wenig hin und her kippen. Das sieht aus, als würde er langsam „nicken“ und „den Kopf schütteln“. Genau das bedeutet das lateinische Wort libratio: das Schwanken einer Waage.

Die vier Arten der Libration

**Libration in Länge.** Auf seiner elliptischen Bahn ist der Mond in Erdnähe schneller, in Erdferne langsamer. Seine Drehung um die eigene Achse bleibt dagegen konstant. Mal eilt die Bahnbewegung der Drehung voraus, mal hinkt sie hinterher. Dadurch sehen wir abwechselnd bis zu knapp 8 Grad über den östlichen und den westlichen Rand hinaus.

Libration in Breite. Der Mondäquator ist gegen die Mondbahn um etwa 6,7 Grad geneigt. Im Lauf eines Umlaufs blicken wir deshalb einmal etwas über den Nordpol und einmal etwas über den Südpol hinweg.

Tägliche oder parallaktische Libration. Die Erde dreht sich, und du schaust beim Mondaufgang von einer anderen Position auf den Mond als beim Monduntergang. Der Unterschied beträgt rund ein Grad. Diesen Anteil nennt man auch topozentrische Libration, weil er vom Beobachtungsort abhängt.

Physische Libration. Der Mond ist nicht perfekt kugelförmig. Die Erde zerrt an seiner leicht ungleichmäßigen Massenverteilung und lässt ihn tatsächlich minimal schwingen. Dieser Effekt ist sehr klein und für die Beobachtung praktisch bedeutungslos, für genaue Kartierungen aber wichtig.

Die ersten drei Arten sind rein geometrisch und heißen zusammen optische Libration. Erst ihr Zusammenspiel macht über Monate rund 59 Prozent der Oberfläche sichtbar.

Ein Beispiel am Mondrand

Gut sichtbar wird die Libration an Gebieten nahe dem Rand. Das Mare Crisium, ein dunkles, rundes Becken am östlichen Mondrand, erscheint je nach Libration mal deutlich vom Rand abgerückt und mal so nah daran, dass es stark verkürzt wirkt. Das Mare Orientale, ein großes Einschlagbecken, liegt überwiegend auf der Rückseite und ist nur bei günstiger Libration in Länge als schmale Struktur am westlichen Rand zu erahnen.

Entscheidend ist die Richtung: Kippt die Libration einen Rand zu dir hin, rücken Gebiete ins Blickfeld, die sonst knapp dahinter liegen; kippt sie ihn von dir weg, verschwinden randnahe Formationen ganz. Schon wenige Grad Libration entsprechen auf der Mondoberfläche Strecken, auf denen ganze Krater Platz haben. Deshalb sieht derselbe Mondrand von Monat zu Monat anders aus.

Randgebiete gezielt beobachten

Wer den Mondrand erkunden möchte, braucht drei Dinge: eine günstige Libration in die richtige Richtung, Sonnenlicht auf dem betreffenden Rand und den Mond möglichst hoch über dem Horizont. Ein starkes Fernglas zeigt große Randmeere bereits, für Krater am Rand ist ein Teleskop besser.

Hilfreich ist die Kolongitude, die angibt, wo auf dem Mond die Sonne gerade aufgeht. Mit ihr erkennst du, ob ein Randgebiet am Tag der günstigen Libration überhaupt beleuchtet ist. Der östliche Rand ist zwischen schmaler zunehmender Sichel und Vollmond beleuchtet, der westliche zwischen Vollmond und schmaler abnehmender Sichel. Die besten Gelegenheiten wiederholen sich nicht jeden Monat in gleicher Qualität. Es lohnt sich, die Libration einige Wochen im Voraus zu verfolgen.

So beantwortet es Apphemeride

So beantwortet es Apphemeride

Welcher Rand gerade zu dir gekippt ist, liest du in Apphemeride ab: Die Karte Mond auf der Objektseite zeigt dir die Libration in vier Varianten: geozentrisch, topozentrisch, optisch und physisch. Dazu kommen die Kolongitude, der subsolare Punkt sowie Knotendaten; alle Werte stammen aus der Mondtheorie ELP2000-82. Die Datenkarten zum Mond sind kostenlos. In der 3D-Szene des Mondes siehst du die Ausrichtung der Mondscheibe zum gewählten Zeitpunkt; Netze und Winkelgrößen-Overlays gehören zur Vollversion. Mit der Zeitreise der Vollversion prüfst du, an welchem Tag die Libration einen bestimmten Rand am weitesten zeigt. Alle Monddaten im Überblick: Objektseiten mit Libration und Kolongitude.

3D-Ansicht des Mondes in Apphemeride mit leicht gekippter Scheibe durch Libration
Die 3D-Szene zeigt die Mondscheibe so, wie die Libration sie gerade zu dir dreht.

Häufige Fragen

Wie viel vom Mond kann man von der Erde aus sehen?

Über längere Zeit rund 59 Prozent der Oberfläche. Zu jedem einzelnen Zeitpunkt siehst du höchstens etwa die Hälfte, aber durch die Libration verschiebt sich dieser Ausschnitt ständig ein wenig. Die übrigen rund 41 Prozent bleiben dauerhaft verborgen und sind nur von Raumsonden aus fotografiert worden.

Was ist der Unterschied zwischen optischer und physischer Libration?

Die optische Libration entsteht durch Geometrie: die ungleichmäßige Bahnbewegung, die geneigte Mondachse und deinen Blickpunkt auf der Erde. Der Mond bewegt sich dabei nicht anders, wir sehen ihn nur aus wechselnder Richtung. Die physische Libration ist eine echte, sehr kleine Schwingung des Mondkörpers, verursacht durch die Gezeitenkräfte der Erde.

Wie groß ist die Libration?

Die Libration in Länge erreicht knapp 8 Grad nach Osten oder Westen, die Libration in Breite etwa 6,7 Grad nach Norden oder Süden. Die tägliche Libration durch deinen Standort beträgt rund ein Grad. Die physische Libration liegt weit darunter. Zusammen ergeben sich über die Zeit die sichtbaren 59 Prozent.

Gibt es eine dunkle Seite des Mondes?

Nein, jedenfalls nicht dauerhaft. Die Rückseite des Mondes ist nur von der Erde aus unsichtbar, sie wird aber genauso von der Sonne beschienen wie die Vorderseite. Bei Neumond ist die Rückseite sogar vollständig beleuchtet. „Dunkel“ ist sie nur im Sinn von „unbekannt“.

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